The Great Jimi Tenor

14. Dezember 2008

Zum ersten Mal begegnet bin ich Jimi Tenor (myspace), als wir 2004 auf dem PfingstOpenair bei Passau (übrigens ein Hammer-Festival) gespielt haben und auch er dort aufgetreten ist. Damals war sein Album Beyond The Stars gerade aktuell, und seine Show war absolut überwältigend. Hier ein Polaroid, das wir damals gemacht haben:

jimi

Der verrückte Jimi hat sich einen mindestens fünfköpfigen Bläsersatz zusammen gestellt sowie eine unglaubliche Afro-Beat-Rhythmusgruppe (Rhythm Taxi), und der finnische Jazz-Gitarrist Kalle Kalima war auch dabei und flog wie ein Gespenst in weißem Umhang über die Bühne. Jimi mit seiner Wodka-Flasche an seinem Fender Rhodes und seinen Synthies, sein Tenor-Sax und seine Querflöte immer griffbereit.

Rant am Rande: Ein wunderbares Beispiel für Genre-wichsenden, an der Musik komplett vorbeischreibenden, dafür sich selbst unberechtigterweise feiernden Hipster-Musik-Journalismus ist die intro-Rezension dieser wunderbaren Platte Beyond The Stars. Und ja, ich steh auch auf Jimis altes Zeug.

Jimi Tenor, der aus Finnland stammt und früher für richtig guten, eigenständigen Techno bekannt war, hatte mit “Take me baby” 1995 seinen großen Hit. Als echter Künstler hat er daraufhin aber nicht etwa einen schlechten Folgehit produziert, sondern sich nach und nach völlig anderen Ufern zugewandt (wobei er einen starken Jimi-Grundvibe durchaus beibehalten hat): den Ufern des Jazz, des Pops und des Afrobeats.

Moment, Jazz und Pop? Da denkt man doch im besten Fall an langweilige Lounge-Eskapaden und im schlechtesten an Till Brönner. Aber genau das ist das Faszinierende an Jimis beiden Platten in dieser Richtung, Beyond the Stars (2004) und Joystone (2007): Jazz und Pop verwachsen hier wirklich zu unwiderstehlichen Gebilden, die das Beste aus beiden Welten vereinen – teils eingängig, teils experimentell, wunderschöne Songs, welche die Raffiniertheit und Reichheit des Jazz verbinden mit der “on pointness” des Pop unter konsequentem Ignorieren kommerzieller Standards. Besonders bei Joystone kommt noch der absolut geerdete und dabei ebenso raffinierte Afrobeat seiner Gast-Band Kabu Kabu hinzu.

Zwei immer wiederkehrende Themen dabei sind Sex und Liebe (in dieser Reihenfolge), zuweilen auch ihre Verbindung.  Der Stöhnpart bei “Hot Baby” auf Joystone ist ein kleines Highlight für sich, seine sexuellen Anspielungen bei “Going for the Gold” auf Beyond The Stars meisterhaft (“The Juice of Good Feelings is Running Out – Let’s Fill It Up!”). Einer meiner Alltime-Jimi-Favorites ist in dieser Hinsicht eher harmlos, beschreibt aber dafür eine Situation des puren Glücks.

“Strawberry Place”

“Since it’s gonna be a beautiful day, Baby come with me, Don’t be afraid, It’ll be allright, The summerday we will spend”, singt Jimi in diesem Song, der für mich so etwas wie eine Messlatte in Sachen Songwriting (sowohl textlich als auch musikalisch) darstellt. Die Melodie, die Chords, die Bridge, das Querflötensolo – dazu dieser Text! Wer braucht sowas wie “Aufstehn” von Seeed, ich will jeden Tag mit “Strawberry Place” beginnen! “Let’s drink some ice-cold sparkling wine, let’s get undressed, there’s no one around, it’ll be allright, The summerday we will spend – at the strawberry place, strawberry place…” Ich kenne keinen Song, der dieses sommerliche (Liebes-)Glücksgefühl so auf den Punkt bringt. Gibt’s leider nirgends im Internet zum anhören, aber kauft Euch einfach diese verdammten Jimi Tenor-Platten!

Edit: Hab mal “Strawberry Place” und “My mind” (auch ein smoother Jimi-Classic) auf youtube gehauen. Mach ich normalerweise nicht, aber Jimi hat ein wenig Promo verdient…

Übrigens: Jimi Tenor live ist wirklich ein Erlebnis! Egal ob solo oder mit Band, es lohnt sich jeder Cent – zumal die Eintrittspreise stets moderat sind. Er ist ein begnadeter Musiker.

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