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Autobahn-Cruisin’ mit Black Sheep

18. Dezember 2008

Als ich neulich von Heidelberg nach Erfurt mit dem Auto gefahren bin (fahr sonst immer Zug), hab ich mir dreimal die
A Wolf in Sheep’s Clothing von Black Sheep reingezogen. Ist definitiv die richtige “F*ckt euch BMWs ich bin trotzdem geiler!”-Musik, wenn man in Deutschland mit ner lahmen Karre unterwegs ist.

Native Tongue

Black Sheep waren Teil der Posse Native Tongue, zu der neben Black Sheep noch De La Soul, A Tribe Called Quest und die Jungle Brothers gehörten. Es wäre etwas übertrieben zu sagen: Early 90′s Eastcoast=Native Tongue, aber dieser Kreis von Rappern, Producern und Label-Leuten hat damals schon ziemlich den Ton angegeben. Im Gegensatz zu De La Soul und dem Tribe hatten Black Sheep allerdings  nie einen wirklichen Smash-Hit und ich kann sie mit Fug und Recht in meine Underrated Shit-Kategorie aufnehmen. Unter Heads gelten Dres und Mista Lawnge aka. Black Sheep allerdings als das Duo, das Wortwitz, Ironie und Storytelling auf ein neues Level gebracht hat.


A Wolf in Sheep’s Clothing

Das 1991 erschienene Album gilt zu Recht als absoluter Rap-Classic. Wer auf jazzige Eastcoast-Beats steht findet darauf dutzende. Und was für Bretter! Textlich finden sich abgedrehte Stories mit unerwarteten Wendungen und allem Schnick-Schnack. Zentrale Themen sind Hoes, Girls, B*tches and Babes und was man mit ihnen tun kann. Aber auch gesellschaftliche Themen haben ihren Raum, wie etwa beim berühmten The Choice Is Yours, dessen Statement lautet, naja, Du hast die Wahl. Hab mich auf jeden Fall im Auto ziemlich amüsiert beim Verfolgen der BMWs Geschichten. Zeit, sich mal einen Track anzuhören (“Pass the 40″ – diese elenden Kriecher haben leider am Anfang Promo reingehauen, ignore):


Was schonmal auffällt: die Jungs geben Pee Wee (Ellis) Props, dem Saxophonisten und Bandleader (vor Fred Wesley) von James Brown, von dem sie das Sax-Sample haben (übrigens bin ich stolzer Besetzer einer handsignierten Pee Wee Ellis-Platte, nachdem ich ihn in Heidelberg mal gesehen hab).

Mixing

Liebe Leser, ich möchte Eure Aufmerksamkeit jetzt einmal Nerd-mäßig auf das Mixing des Songs lenken. Was macht diesen Early-90′s Hip Hop-Sound aus? Mehrere Sachen. Die Vocals sind ziemlich leise! Warum zur Hölle mischen die heute die Vocals so krass laut? Weniger Kompression! Heutige Tracks sind extrem laut (mittels Brickwall-Limiter, der alle Pegelspitzen abschneidet), dadurch aber auch flacher und nerviger vom Sound her. Tiefe Mitten von 400 Hz bis 1000 Hz sind in modernem Hip Hop fast nicht existent. Hauptsache Bass und Höhen. Dadurch klingt das Ganze halt weniger smooth und allgemein penetranter. Für die Wiedergabe auf Handys ist’s wahrscheinlich besser… Ach ja, die Drums sind auch leiser gemischt, viel Raum für die geilen Jazz-Samples. Im obigen Track steh ich vor allem auf dieses Piano-Sample auf die Eins-und.

Black Sheep vs. 50 Cent

Seien wir mal fies und lassen den guten Fifty ran. Hier ein Track den ich eigentlich noch ganz cool finde von ihm, Part Time Lover:


Stimmt schon mit dem Sound, oder? Um Fifty aber mal etwas zu verteidigen: Ich finde den Vibe von dem Song schon ganz cool, das Thema finde ich interessant und es passt gut zum Beat und zu Fifty’s Rumnuschel-Style. Aber das entfaltet sich alles schon nach 1,5 Minuten, danach kommt nicht mehr viel. Vergleicht das mal mit den abgedrehten Frauengeschichten auf “A Wolf in Sheep’s Clothing”. Und das mit dem Sound, naja gut, Zeiten ändern sich. Trotzdem: Sich auf der Autobahn eine moderne Hip Hop-CD bei voller Lautstärke 3x reinzuballern ist unmöglich! Da f*ckt’s einem die Ohren! Außerdem klingen weniger komprimierte Aufnahmen bei hoher Lautstärke einfach viel besser, mit ein Grund, warum Eighties-Zeug im Club immernoch so gefeiert wird. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Hier noch der größte Hit von Black Sheep, The Choice Is Yours:

Die Genialität der Internet-Strategie in der Obama-Kampagne wurde ja schon oft gelobt. Dieses Remake von The Choice Is Yours bezogen auf die US-Wahl ist auf jeden Fall bemerkenswert. Denke es ging vor allem darum junge, eher unpolitische Leute zu aktvieren.

The Great Jimi Tenor

14. Dezember 2008

Zum ersten Mal begegnet bin ich Jimi Tenor (myspace), als wir 2004 auf dem PfingstOpenair bei Passau (übrigens ein Hammer-Festival) gespielt haben und auch er dort aufgetreten ist. Damals war sein Album Beyond The Stars gerade aktuell, und seine Show war absolut überwältigend. Hier ein Polaroid, das wir damals gemacht haben:

jimi

Der verrückte Jimi hat sich einen mindestens fünfköpfigen Bläsersatz zusammen gestellt sowie eine unglaubliche Afro-Beat-Rhythmusgruppe (Rhythm Taxi), und der finnische Jazz-Gitarrist Kalle Kalima war auch dabei und flog wie ein Gespenst in weißem Umhang über die Bühne. Jimi mit seiner Wodka-Flasche an seinem Fender Rhodes und seinen Synthies, sein Tenor-Sax und seine Querflöte immer griffbereit.

Rant am Rande: Ein wunderbares Beispiel für Genre-wichsenden, an der Musik komplett vorbeischreibenden, dafür sich selbst unberechtigterweise feiernden Hipster-Musik-Journalismus ist die intro-Rezension dieser wunderbaren Platte Beyond The Stars. Und ja, ich steh auch auf Jimis altes Zeug.

Jimi Tenor, der aus Finnland stammt und früher für richtig guten, eigenständigen Techno bekannt war, hatte mit “Take me baby” 1995 seinen großen Hit. Als echter Künstler hat er daraufhin aber nicht etwa einen schlechten Folgehit produziert, sondern sich nach und nach völlig anderen Ufern zugewandt (wobei er einen starken Jimi-Grundvibe durchaus beibehalten hat): den Ufern des Jazz, des Pops und des Afrobeats.

Moment, Jazz und Pop? Da denkt man doch im besten Fall an langweilige Lounge-Eskapaden und im schlechtesten an Till Brönner. Aber genau das ist das Faszinierende an Jimis beiden Platten in dieser Richtung, Beyond the Stars (2004) und Joystone (2007): Jazz und Pop verwachsen hier wirklich zu unwiderstehlichen Gebilden, die das Beste aus beiden Welten vereinen – teils eingängig, teils experimentell, wunderschöne Songs, welche die Raffiniertheit und Reichheit des Jazz verbinden mit der “on pointness” des Pop unter konsequentem Ignorieren kommerzieller Standards. Besonders bei Joystone kommt noch der absolut geerdete und dabei ebenso raffinierte Afrobeat seiner Gast-Band Kabu Kabu hinzu.

Zwei immer wiederkehrende Themen dabei sind Sex und Liebe (in dieser Reihenfolge), zuweilen auch ihre Verbindung.  Der Stöhnpart bei “Hot Baby” auf Joystone ist ein kleines Highlight für sich, seine sexuellen Anspielungen bei “Going for the Gold” auf Beyond The Stars meisterhaft (“The Juice of Good Feelings is Running Out – Let’s Fill It Up!”). Einer meiner Alltime-Jimi-Favorites ist in dieser Hinsicht eher harmlos, beschreibt aber dafür eine Situation des puren Glücks.

“Strawberry Place”

“Since it’s gonna be a beautiful day, Baby come with me, Don’t be afraid, It’ll be allright, The summerday we will spend”, singt Jimi in diesem Song, der für mich so etwas wie eine Messlatte in Sachen Songwriting (sowohl textlich als auch musikalisch) darstellt. Die Melodie, die Chords, die Bridge, das Querflötensolo – dazu dieser Text! Wer braucht sowas wie “Aufstehn” von Seeed, ich will jeden Tag mit “Strawberry Place” beginnen! “Let’s drink some ice-cold sparkling wine, let’s get undressed, there’s no one around, it’ll be allright, The summerday we will spend – at the strawberry place, strawberry place…” Ich kenne keinen Song, der dieses sommerliche (Liebes-)Glücksgefühl so auf den Punkt bringt. Gibt’s leider nirgends im Internet zum anhören, aber kauft Euch einfach diese verdammten Jimi Tenor-Platten!

Edit: Hab mal “Strawberry Place” und “My mind” (auch ein smoother Jimi-Classic) auf youtube gehauen. Mach ich normalerweise nicht, aber Jimi hat ein wenig Promo verdient…

Übrigens: Jimi Tenor live ist wirklich ein Erlebnis! Egal ob solo oder mit Band, es lohnt sich jeder Cent – zumal die Eintrittspreise stets moderat sind. Er ist ein begnadeter Musiker.

Classic shit: Prince – Sign ‘O’ The Times (1987)

11. Dezember 2008

Der Entdecker und erste Manager von Prince, Owen Husney, hat einmal die These aufgestellt wonach Prince einer jener Künstler sei, von denen wir vielleicht in 200 Jahren ähnlich reden wie heute von Mozart. Aber auch ohne den Klassik-Heads auf die Füße zu treten kann man wohl ruhigen Gewissens sagen, dass “Sign ‘O’ The Times” eines der bedeutendsten Alben der neueren Pop-Geschichte ist.

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Die Arbeitsweise von Prince bestand offenbar hauptsächlich darin, sich bei Sunset Sound zusammen mit einer LM-1-LinnDrum-Drummachine, einem Yamaha DX7- sowie Oberheim OBXa-Synthie, Percussion-Klimbims, seiner Gitarre, ein paar Bässen, einem Piano und seinem heftigen Talent einzuschließen und munter zu basteln (hier gibt’s ein paar Insights ab Post #35). Heraus gekommen sind 16 minimalistische Pop-Tracks, die zuweilen ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit brauchen, einen dann aber komplett wegblasen. Nicht unbedingt was für die Tanzfläche – eher Funk zum zuhören.

Exemplarisch möchte ich an dieser Stelle einen meiner Favorites auf dem Album herausgreifen und ein bisschen tiefer einsteigen.

“Hot Thing”

Der Track handelt von folgender Situation: Du triffst ein junges Girl (“Barely 21″), gut aussehend und geschickt auf der Tanzfläche. Sie lächelt dir zu und fordert dich heraus. Prince beschreibt diese Situation musikalisch mit der Attitüde der coolsten Sau auf dem Planeten (klar). Funkige 80′s-Machinedrums, dreckiger Prince-Trademark-Bass, dann eine unverschämte Digisynthie(DX7?)-Melodie, die schon mal vibemäßig die Richtung vorgibt: Hey, du bist jung, attraktiv, ich kenn dich noch kaum, aber du rufst mal lieber gleich deine Leute an und sagst Bescheid, dass du den Rest der Nacht nicht mehr aufkreuzen wirst (“Tell ‘em you’re coming home late if you’re coming home at all!”).

Beim Musikhören stellt man sich ja manchmal die Frage, ob man vielleicht noch etwas hätte besser machen können, besonders im Hinblick auf das Arrangement. Die Antwort hier lautet: Absolut nichts. Gar nichts. Der Song nimmt einen mit auf einen glücklichen Trip durch die Nacht, von Anfang bis Ende, perfekt inszeniert. Hammer Vocal-Performance: Dynamik ohne Ende von Säuseln bis Schreien, Steigerungen und Akzente durch mehrstimmige Einlagen und detailverliebtes Mixing. Besonders schön das “smiiiiile”, das den kurzen Moment des Lächelns fies in die Länge zieht und irgendwie diese ganze Situation auf den Punkt bringt.

Hatte ich schon erwähnt, dass Prince wohl einer der weltbesten Drum-Programmierer ist? Seine Beats rollen einem direkt in den Bauch, und so ist es kein Wunder, dass fast alle guten Beat-Producer, von Timbaland über Peter Fox bis Torch, erklärtermaßen Prince-Fans sind. Besonders schön zu hören ist diese rhythmische Segnung etwa im letzten Drittel des Songs wenn Eric Leeds ein willenloses Sax-Solo startet und Prince gleichzeitig die Cowbell- und Tamburin-Keule schwingt. Spätestens jetzt sitzt Prince beim Hot Thing zu Hause und liest ihr Gedichte vor…

Checkt auch das oben verlinkte Interview mit Owen Husney aus!

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